Kapellen am Weg

Oberems, 01.07.2023

Seit ich hier in den Bergen bin, seit letzten Sonntag, entdecke ich die kleinen Kapellen für mich, und die Wallfahrtsorte, die Grotten im Fels. Die Kapellen, die still und fern im Wald stehen oder auf einem Felsen.

Ich erlebe sie als Symbole meiner Existenz: das Schiff ist mein dargebotener, mein erdgleicher Körper. Die Fenster verweisen auf meine geistigen, himmelwärts gerichteten Sinne, durch die Licht von oben fällt (um sogleich wieder zu steigen). Das rätselhaft verheißungsvolle Ultimo meiner Kindheit sammelt sich im kleinen Schiff zwischen den Bänken, dem modrigen Duft und dem Staub auf dem Altar, wenn ich meine Augen schließe, und es stillt von innen her mit verzückendem Frieden die Sehnsucht des aufbrechenden Tages nach Sinn. Nach Vollendung. Die Spitze der Kapelle verweist auf meine Heilung, wenn ich mich an der inneren vertikalen Achse zu Gott ausdehne – und entlang der Achse in die Tiefe fallen lasse. Sie verweist auf ungeahnte, abgetane Heilung, wenn die horizontalen Verstrickungen und Verbändelungen dünner werden. Sie verweist auf Heilung durch angereicherte, aufgesuchte, geübte innere Integration und meinen Blick von innen nach unten und oben – auf dass sich alles aus der inneren Hochzeit neu ordnen kann im äußeren Leben.

Jesus steht dann da in dieser Kapelle als das Licht, das seit seinem Tod die Erde erfüllt, sodass jeder Weg im Licht und zum Licht ist.

Ich finde in diesen rau verputzten, holzig-kühlen, verwachsen-eigensinnigen, erwärmend-stillen Kapellen in eine tiefe Versenkung, finde die Ruhe. Ich bin hier geborgen und darf mich schweren Lidern überlassen, unter denen ich mich der Stille hingebe.

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